|
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schrieb am 04.06.00, dass
in Deutschland mittlerweile gut 6 Prozent aller Arbeitnehmer von zu Hause aus
für ihr Unternehmen arbeiten. Einschlägig orientierte Arbeitgeber und
Arbeitnehmer lernen einander häufig über Kontaktbörsen im
Internet kennen.
Telearbeit gehört zu den Strategien, mit denen Unternehmen auch
außerhalb der Informations- und Kommunikationstechnik-Industrie auf die
sich wandelnden volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen reagieren können.
Denn künftig werden nur jene Unternehmen erfolgreich sein, die sich
flexibel veränderten Marktgegebenheiten anpassen können. Telearbeit
kann dazu beitragen diese Flexibilität zu erhöhen. Die TA Telearbeit
GmbH schätzt, dass in kleinen und mittelgroßen Unternehmen schon
jetzt 40 % aller anfallenden Tätigkeiten für Telearbeit geeignet
sind.
Als Haupthindernis für die breit gefächerte Einführung von
Telearbeit nennen europäische Führungskräfte nach wie vor
Zweifel an der Sicherheit der Übertragung der erforderlichen Daten. Man
fürchte, dass diese von außen beobachtet, abgefangen oder gar
manipuliert werden könnten.
Als zweiter wesentlicher Hinderungsgrund werden unzureichende Kenntnisse der
Unternehmensleitung über die Vor- und Nachteile einer Einführung von
Telearbeit genannt. Viele Befragte befürchten zudem, dass Telearbeiter
ihre Aufgaben zu Hause nicht so gut und/oder so schnell erledigen wie im
Unternehmen. Fachleute bestreiten dies aber. Sie glauben vielmehr, dass
Telearbeiter zu Hause ihr Arbeitspensum häufig gestraffter und flexibler
angehen können, als dies im jeweiligen Unternehmen der Fall ist, und daher
effizienter arbeiten.
Außerdem wird darauf verwiesen, dass es verschiedene Formen von
Telearbeit gibt: die klassische Form des Arbeitens in einem abgetrennten
Bereich der eigenen Wohnung, Telearbeit in ausgelagerten
Bürogemeinschaften sowie mobile Tätigkeiten wie gelegentlicher
Außendienst oder der ständige Einsatz bei Kunden und Lieferanten.
Daraus resultieren in vielen Fällen wirtschaftliche und organisatorische
Vorteile für beide Seiten - wenn Fragen wie Datenschutz, Haftung,
Einhaltung von Arbeitszeitregeln oder Aufteilung der anfallenden Kosten
geregelt sind.
Wenn sich dies in den Unternehmen herumgesprochen hat, wächst auch die
Bereitschaft, neue Telearbeitsplätze zu schaffen. In kleinen und
mittelgroßen Unternehmen bedeutet dies in vielen Fällen keineswegs,
dass vorhandene Arbeitsplätze von innen nach außen verlagert werden,
sondern es werden zahlreiche völlig neue
Beschäftigungsmöglichkeiten eingerichtet. Immerhin können so die
Kosten für den benötigten Büroraum um gut ein Drittel sinken.
Außerdem verkürzt sich in vielen Fällen die Zeit, in der
Aufgaben bewältigt werden, während die Qualität der Ergebnisse
zunimmt.
Einer Untersuchung zufolge, die in Zusammenarbeit mit der Deutschen Telekom
durchgeführt worden ist, hat deshalb mehr als die Hälfte der
befragten Unternehmen zugesichert, neue Telearbeitsplätze einrichten zu
wollen. Nahezu ein Fünftel davon will diese Plätze mit neuen
Mitarbeitern besetzen. Branchenexperten schätzen das in Deutschland
bestehende Potential daher mittlerweile auf mehr als 4 Millionen
Telearbeitsplätze.
Nicht nur in den Unternehmen, berichten Fachleute, auch in den Verwaltungen und
Behörden werde inzwischen heftig über die Chancen diskutiert, die
Telearbeit für die Flexibilisierung der Arbeitszeit und zur Senkung der
spezifischen Kosten bietet. Wichtige Voraussetzungen dafür hat der
Wettbewerb " Datensichere Telearbeit in kommunalen Verwaltungen"
geleistet, den das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie im
Jahr 1999 durchgeführt hat.
Die Einführung von Telearbeit als Alternative zu herkömmlichen
Arbeitsformen eröffnet allerdings nicht nur die Möglichkeit Kosten zu
senken, Wegezeiten zu verringern und die Effizienz der Arbeit zu verbessern.
Die betroffenen Mitarbeiter können sich ihre Zeit in gewissen Grenzen
selbständig einteilen und den privaten Gegebenheiten anpassen. Dabei darf
man auch nicht außer Acht lassen, dass es zu
Verständigungsschwierigkeiten zwischen Telearbeitern und den Kollegen
und/oder Vorgesetzen kommen kann. Manche Telearbeiter klagen auch über
eine gewisse soziale Isolation oder befürchten, Karrierechancen zu
verpassen, weil sie sich von wichtigen Informations- oder Beziehungsnetzwerken
abgeschnitten fühlen. Deshalb kann es für beide Seiten sinnvoll sein
zunächst eine Probephase zu vereinbaren, die dem Beschäftigten
jederzeit die Rückkehr zu "normalen" Arbeitsverhältnissen
erlaubt.
Um Telearbeiter darüber hinaus zu unterstützen, bieten spezielle
Dienstleistungsunternehmen besondere Serviceleistungen an. Dazu gehört ein
"Link-Service", über den Interessenten eine
Geschäftsadresse erhalten, ohne dafür ein Büro mieten zu
müssen. Gegen eine monatlich zu entrichtende Gebühr kann der Kunde
zum Beispiel sein Telefon vom Sekretariat des Dienstleisters beantworten
lassen. Post und Faxe werden für ihn aufbewahrt oder an die Heimatadresse
weitergeleitet.
Das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW)
berichtete am 30.11.99, dass Deutschland im EU-Vergleich bei der Anzahl der
Telearbeitsplätze nur im Mittelfeld rangiert. Hierzulande arbeiten nur
etwa 6 % aller Erwerbstätigen zumindest zeitweise am heimischen PC, obwohl
die Zahl der deutschen Telearbeitsplätze in den letzten 5 Jahren um rund
ein Drittel auf ca. 2,1 Millionen gestiegen ist.
In Finnland, Schweden und den Niederlanden gibt es, bezogen auf die Anzahl der
Erwerbstätigen, rund 15 bis 17 % Telearbeiter.
Laut einer Veröffentlichung im Oktober 99 ist in keinem
anderen europäischen Land die Anzahl der Telearbeiter so stark angestiegen
wie in Deutschland. Diese Erkenntnis begründet sich auf Ermittlungen eines
Bonner Forschungs- und Beratungsunternehmens in den letzten 5 Jahren.
Während es im Jahr 1994 erst einige hunderttausend Telearbeiter gab, so
sind es im Jahr 1999 bereits über 2 Millionen.
Trotz dieser enormen Entwicklung belegt Deutschland im
europäischen Vergleich lediglich einen Platz im Mittelfeld, so die
internationale Studie des Unternehmens weiter. Während z.B. in Finnland
16,8 %, in Schweden 15,2 % und in den Niederlanden 14,5 % aller
Erwerbstätigen ständig oder gelegentlich zu Hause am Computer
tätig sind, beträgt der prozentuale Anteil in Deutschland erst 6 %.
Die weit verbreitete Meinung, dass Telearbeiter überwiegend weiblich
sind, widerlegt die Studie durch einen ermittelten männlichen Anteil von
80 %.
Einem Artikel im Mai 1999 in einer großen deutschen
Tageszeitung ist zu entnehmen, dass Fachleute in Sachen Arbeitsentwicklung
durch die Telearbeit eine Revolution der Arbeitswelt erwarten. Hauptgrund
für diese Entwicklungsmöglichkeiten sehen die Experten in den neuen
Möglichkeiten der Kommunikationswelt. Haupttätigkeitsgebiete für
Telearbeit sieht man vor allem im Dienstleistungsbereich. Versicherungen,
Banken, Rechtsanwalts-, Steuerberatungs-, Architekten- und Ingenieurbüros,
Zeitschriftenverlage und Radio/TV-Redaktionen sind einige der
Dienstleistungsbereiche in denen Telearbeit für bahnbrechende Neuerungen
im Arbeitsprozess sorgen wird. Ein- oder zweimalige wöchentliche Meetings
werden ausreichen, um sich mit den Mitarbeitern zu treffen und die Dinge zu
erledigen, die sich durch Telearbeit nicht bearbeiten lassen.
Hauptproblem für eine rasantere Entwicklung der
Telearbeit in Deutschland ist die deutsche Mentalität. Das gilt für
Mitarbeiter und Vorgesetzte gleichermaßen. Der Mitarbeiter genießt
seinen eigenen Schreibtisch als Symbol für Arbeitsplatzsicherheit und der
Vorgesetzte genießt die Möglichkeit seine Mitarbeiter zu
kontrollieren. Hauptgrund für die langsame Entwicklung von Telearbeit in
Deutschland ist bisher die mangelnde Bereitschaft der Vorgesetzten
Verantwortung wirklich zu delegieren und ein gewisses Maß an Vertrauen
gegenüber den Mitarbeitern zu erbringen.
In einer Veröffentlichung einer Industrie- und
Handelskammer im März 1999 ist zu entnehmen, dass sich Telearbeit in
deutschen Unternehmen jeder Größe immer mehr durchsetzt und die
Basis für völlig neue Arbeits- und Organisationsformen bildet. Das
Problem der Anfahrtszeiten zum Arbeitsplatz für Arbeitsverträge auf
niedrigem Wochenstundenniveau läßt sich durch Einführung von
Telearbeit leicht lösen. Ermittlungen haben eine Verdoppelung von
Arbeitsverhältnissen unter 35 Wochenstunden ergeben. Jedoch auch unter
Vollzeitaspekten ergeben sich völlig neue Dimensionen der
Flexibilität in der Arbeitswelt.
Als Hauptproblem bei der Einführung von Telearbeit wird
die deutsche Führungskultur gesehen. Als Problem erweisen sich dabei die
Antworten auf die Fragen: Wie kann ich als telearbeitender Vorgesetzter meine
Mitarbeiter führen? - Wie kann ich als Telearbeiter von meinem
Vorgesetzten geführt werden? Traditionelle Führungsmethoden greifen
nicht mehr. Die Überwachung der Arbeitszeit und der
Arbeitsausführung, sowie der Ruf nach dem Vorgesetzten bei auftauchenden
Problemen sind nicht mehr ohne weiteres möglich.
Eine Lösung dieser Probleme besteht in der Realisierung
einer ergebnisorientierten Führung. Gemeinsame Zielvereinbarung zwischen
Mitarbeiter und Vorgesetztem, sowie die Definition von Teilzielen reduzieren
die Aufgaben der Vorgesetzten auf die Kontrolle der Zielerreichung und
erhöhen die Verantwortung des Mitarbeiters für die Erreichung der
Ziele.
Die Definition von Zielen und untergeordneten Teilzielen
ersetzt bei dieser Methode, die auch "Managemnet by Objectives"
genannt wird, die althergebrachte Kontrolle von Anwesenheit und
Tätigkeitsüberwachung durch Delegation von Verantwortung und
Vertrauen. Neue und kreative Managementmethoden werden diese neue
Führungsmethode beinhalten.
Voraussetzungen für diese neue Unternehmens- und
Führungskultur sind der Wille der Mitarbeiter selbständig und
eigenverantwortlich zu arbeiten. Dies erfordert ein hohes Maß an
Selbstdisziplin und Selbstorganisation. Zusätzlich ist ein kompetenter
Umgang mit den neuesten Telekommunikationsmedien erforderlich. Für
die Vorgesetzten ist der Führungsstil nach Zielvereinbarungen
Voraussetzung. Weiterhin muß er in der Lage sein, seinen Mitarbeitern
gegenüber ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Er muß
konsequent Aufgaben, Kompetenz und Verantwortung delegieren. Dies muß er
für alle telearbeitenden Mitarbeiter realisieren und darüber hinaus
die einzelnen Ziel und Teilzielvereinbarungen kontrollieren.
In einer Anfang 1999 durchgeführten Umfrage bei deutschen Unternehmen
gab es 11 Gründe für die Einführung von Telearbeit:
- Vereinbarkeit von Beruf und Familie (76 %)
- Individuelle Mitarbeiterwünsche (58 %)
- Neue Arbeitsplätze in ländlichen oder strukturschwachen Gebieten
(51% )
- Beschäftigungsmöglichkeiten für Behinderte (49 %)
- Erhöhte Mitarbeitermotivation (44 %)
- Höhere Produktivität der Mitarbeiter (39 %)
- Einsparung von Miet- und Raumkosten (38 %)
- Höhere Attraktivität des Arbeitgebers (34 %)
- Verbesserte Qualität der Arbeit (29 %)
- Keine Expansionsmöglichkeiten am Firmenstandort (22 %)
- Reduzierung der Mitarbeiterfluktuation (19 %)
Experten halten durch die Einführung von Telearbeit eine
Produktivitätssteigerung von 11 % für realistisch.
Auszug aus einem Artikel einer deutschen Wirtschaftszeitung im Jahr 1998:
Die Entstehung des Telearbeitsbooms in den USA
begründet sich in einem kalifornischen Gesetzesentwurf zur Verbesserung
der Umweltbedingungen, den Clean Air Act von 1990. Darin wurden Unternehmen mit
mehr als 100 Angestellten verpflichtet das durch Mitarbeiter verursachte
Verkehrsaufkommen um 20 % zu reduzieren. Wie alle neuen Gesetzesvorschriften
nahm man den Clean Air Act zuerst als zu erfüllendes Übel hin. Bis
man schließlich erkannte, daß Telearbeit bei den Mitarbeitern sehr
beliebt wurde und damit für die Unternehmen auch eine Chance zum weiteren
Unternehmenserfolg darstellt. Seither ist Telearbeit in den USA nicht
bloß ein Mittel zur Reduzierung des Verkehrsaufkommens und zur
Verbesserung der Umweltbedingungen, sondern noch vielmehr ein Symbol für
innovativ agierende Unternehmen. Bereits im Jahre 1994 gab es in den USA 9 Mio.
Telearbeiter. Heute betreibt jedes der Fortune 1000-Unternehmen ein
Telearbeitsprogramm.
Computerunternehmen, Unternehmensberatungen,
Telekommunikationsunternehmen, Versicherungen, Banken, Regierungsstellen nutzen
die Vorteile der Telearbeit. Am Beispiel eines großen amerikanischen
Telekomunternehmens ermittelte man, daß sich pro investierter Million
Dollar in Telearbeit zwei Millionen Dollar an Raumkosten einsparen lassen.
Die harte Konkurrenzsituation und die Globalisierung der
Absatzmärkte haben in vielen amerikanischen Unternehmen ein Klima erzeugt,
welches erhöhte Kreativität und innovative Ideen der Mitarbeiter
fordert. Telearbeit wird zudem als Möglichkeit gesehen den Profit zu
steigern oder die Lohnnebenkosten deutlich zu senken. Auch ideelle Werte
bewegen die US-Konzerne Telearbeit zu fördern: Imageverbesserung des
Unternehmens, gute Möglichkeiten Arbeitnehmer zu finden, zu motivieren und
zu halten. Der Mensch wird nicht mehr nur als Arbeitnehmer gesehen, sondern als
wichtigstes Unternehmenspotential.
Die USA erweist sich mal wieder als offen und innovativ
für Veränderungen. Die Entwicklungen der Informationstechnologien
wird von den höchsten Stellen der Regierung unterstützt. Wer die
Möglichkeiten innovativer Arbeitsformen jetzt nicht erkennt, wird in
einigen Jahren von der Konkurrenz abgehängt sein.
Laut einer Umfrage des Fraunhofer-Instituts gibt es Mitte
1998 in Deutschland ca. 800 000 Telearbeitsplätze. Vor allem
Dienstleistungsunternehmen nutzen Telearbeit. Etwa 10 % der Unternehmen und
Behörden bieten Telearbeitsplätze an und ermöglichen ein zeit-
und ortsunabhängiges Arbeiten.
|